Spanische Regierung bleibt trotz Risiko einer unkontrollierten Ausbreitung des Gentechnik-Mais MON810 untätig

EU-Kommission bestätigt Probleme mit Teosinte-Pflanzen in Spanien / Drohende Folgen für EU-Zulassung

4. Juli 2016

In einem Brief an Nichtregierungsorganisationen erklärt die spanische Regierung, bisher keine Maßnahmen gegen eine unkontrollierte Ausbreitung des Gentechnik-Mais MON810 ergriffen zu haben. Anlass der Sorge ist das Auftreten von Teosinte-Pflanzen in Spanien. Teosinte ist die wilde Urform des Mais und stammt aus Mexiko. Die Pflanzen können sich mit Mais kreuzen und dabei genetische Informationen austauschen. Auf diese Weise können sich auch die Gene des gentechnisch veränderten Mais MON810 unkontrolliert in der Umwelt ausbreiten. Monsantos Mais MON810 produziert ein Insektengift und wird in Spanien auf einer Fläche von mehr als 100 000 Hektar angebaut. Die Nichtregierungsorganisationen verlangen, dass der Anbau des Gentechnik-Mais in der EU gestoppt wird.

Die Kommission wurde von den Organisationen schon vor Monaten über das Auftreten von Teosinte unterrichtet. In ihrer Antwort stellte die Kommission jüngst fest, dass sie über das Problem informiert sei und die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA mit der Auswertung der vorliegenden Daten beauftragt habe.

„Niemand weiß, wie die Teosinte nach Spanien gelangt ist, aber sie breitet sich schnell aus und verursacht bereits heute erheblichen Schaden bei Landwirten, die Mais anbauen. Wenn der Gen-Austausch erst einmal stattgefunden hat, kann es sehr schwierig und sehr teuer werden, die Pflanzen wieder zu entfernen und den Schaden für die Umwelt und die Landwirte zu begrenzen“, sagt María Carrascosa von Red de Semillas „Resembrando e Intercambiando“. „Wir fordern, daher, dass der Anbau des Gentechnik-Mais in der EU jetzt gestoppt wird.“

Seit 1998, als der Anbau von MON810 zum ersten Mal in der EU erlaubt wurde, ist eine wesentliche Voraussetzung für die Genehmigung, dass es in der EU keine verwandten Pflanzenarten gibt. Doch diese Situation hat sich inzwischen geändert. Die ersten Teosinte-Pflanzen wurden schon 2009 in Spanien gesichtet. Bisher waren alle Maßnahmen, die darauf abzielten, die Ausbreitung von Teosinte zu verhindern, erfolglos. Nach Ansicht der Nichtregierungsorganisationen muss das jetzt Folgen für die EU-Anbauzulassung des Gentechnik-Mais haben. Schon am 8. Juli werden die Mitgliedsländer in Brüssel über bestehende und neue Anbauzulassungen für MON810, Bt11 und Mais 1507 beraten.

Die Organisationen verlangen in einem Brief an die spanische Regierung rasche Maßnahmen und weitere Informationen. Sie wollen wissen, warum sich die spanische Regierung weigerte, die EU-Kommission über das Problem zu informieren. Auch Monsanto hat das Problem jahrelang verschwiegen, wie die Monitoring-Berichte zeigen, die laut Vorschriften der EU jährlich bei der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA eingereicht werden müssen.

„Die Ausbreitung von Teosinte und die Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung von Transgenen darf nicht länger vor der Öffentlichkeit verheimlicht werden. Falls sich die Teosinte tatsächlich die Transgene aus MON810 aneignet und anfängt, ein Insektengift zu produzieren, werden Umwelt und Landwirte einem nicht kalkulierbaren Risiko ausgesetzt“, sagt Christoph Then für Testbiotech.

Folgende Organisationen sind an dieser Pressemitteilung beteiligt: Amigos de la Tierra; CECU – Confederación de Consumidores y Usuarios; COAG – Coordinadora de Organizaciones de Agricultores y Ganaderos; Ecologistas en Acción; Stiftung GEKKO; GeneWatch UK; PALT-Plataforma Andalucía Libre de Transgénicos; Red de Semillas „Resembrando e Intercambiando“; Testbiotech; Save our Seeds; Software AG Stiftung; VsF-Justicia Alimentaria Global; Zukunftsstiftung Landwirtschaft.

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