30 Jahre gentechnisch veränderte Pflanzen – die Folgen des kommerziellen Anbaus in den USA

München/Berlin 01.02.2013
In Berlin wird heute eine neue Studie vorgestellt, die sich kritisch mit den Folgen des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen in den USA befasst. In Europa und den USA wurden vor 30 Jahren die ersten gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellt, seit 20 Jahren werden diese Pflanzen in den USA auch großflächig angebaut, wohingegen in der EU erhebliche Vorbehalte existieren. Allerdings fordert die Industrie auch in der EU weitere Anbauzulassungen. Vor diesem Hintergrund werden die bisherigen Erfahrungen in den USA kritisch untersucht sowie Empfehlungen für den Umgang mit dieser Technologie in der EU vorgestellt. Wesentliche Ergebnisse sind:

  • Auswirkungen für Landwirte

    Da Unkräuter sich an den Anbau der gentechnisch veränderten Pflanzen angepasst haben, steigen sowohl die Mengen an Spritzmitteln als auch der Arbeitsaufwand deutlich. Der Anbau von insektengiftproduzierenden Pflanzen führt zu einem regelrechten „Wettrüsten“ mit den Schadinsekten, die sich zum Teil rasch an die Gifte anpassen. Derzeit werden die Pflanzen mit bis zu sechs gentechnisch eingebauten Giftstoffen gleichzeitig ausgestattet. Die Kosten für das Saatgut haben sich vervielfacht, ohne dass es zu bedeutsamen Zuwächsen bei der Ernte oder signifikanten Einsparungen bei den Spritzmitteln gekommen wäre.

  • Auswirkungen auf Saatgutmärkte

    Konzerne aus der Agrochemie wie Monsanto, Dupont und Syngenta dominieren den Saatgutmarkt, der weitgehend monopolisiert wurde. Auch in Zukunft steht deswegen zu erwarten, dass die Entwicklung in der US-Landwirtschaft deutlich von den Geschäftsinteressen der Agrochemie-Konzerne geprägt wird.

  • Auswirkungen auf gentechnikfreie Produzenten

    Durch Kontaminationen von Saatgut und Lebensmitteln mit gentechnisch veränderten Pflanzen ist in den USA bereits ein Schaden vom mehreren Milliarden Dollar entstanden.

  • Auswirkungen für die Verbraucher

    Die VerbraucherInnen in den USA werden einer Reihe von für sie nicht erkennbaren Risiken ausgesetzt. Dazu gehören unbeabsichtigte Stoffwechselprodukte in den Pflanzen, Rückstände der Herbizide und Immunreaktionen auf die zusätzlich in den Pflanzen gebildeten Eiweißstoffe. Bisher gibt es keine Möglichkeiten, die tatsächlichen Auswirkungen des Verzehrs dieser Produkte zu beobachten.

  • Auswirkungen auf die Umwelt

    Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ist mit einer erheblichen Steigerung der Ausbringung von Herbiziden verbunden. Auch der Eintrag bestimmter Insektengifte hat deutlich zugenommen. Insbesondere der Anbau von herbizidtoleranten Pflanzen führt zu einem Rückgang der Biodiversität. Beim Anbau von gentechnisch verändertem Raps haben die Pflanzen den Sprung vom Acker in die Umwelt bereits geschafft und entziehen sich damit weitgehend der Kontrolle und Rückholbarkeit.

  • Die Studie wurde im Auftrag von Martin Häusling, Abgeordneter im Europäischen Parlament und Mitglied der Partei der Grünen, erstellt. Die englische Version der Studie wird von Testbiotech herausgegeben.