Gentechnik-Soja beeinträchtigt Entwicklung bei Nachkommen von Ziegen

Italienische Wissenschaftler beobachten Veränderungen in der Milch und geringeres Gewicht von Zicklein

17. Februar 2015 / In einer aktuellen Publikation von Wissenschaftlern der Universität Neapel wird über eine deutliche Beeinträchtigung bei Nachkommen von Ziegen berichtet, die mit gentechnisch veränderter Soja gefüttert wurden. Demnach war die Milch der Tiere verändert und die Zicklein wiesen ein deutlich verringertes Gewicht auf. Abschnitte des Erbguts der Gentechnik-Soja überstanden offensichtlich die Verdauung und waren in der Milch der Tiere nachweisbar. Nach Ansicht der Wissenschaftler führt die Verfütterung der herbizidresistenten Gentechnik-Soja bei den Muttertieren unmittelbar nach der Geburt zu einem geringeren Anteil an Eiweißstoffen (Immunglobulinen) in der Milch, was dann ein verringertes Gewicht bei deren Nachkommen verursacht. Bereits in einer früheren Untersuchung hatten die Wissenschaftler Gentechnik-DNA in der Milch von Ziegen gefunden und über Veränderungen bestimmter Laborwerte bei den Zicklein berichtet, die mit dieser Milch gefüttert worden waren.

Bei Verfütterung von gentechnisch veränderter Soja der Firma Monsanto war der Gehalt eines wichtigen Immunstoffs (Immunglobulin G) in der Muttermilch und im Blutserum der Zicklein um rund 40 Prozent reduziert. Dies könnte nach Ansicht der Autoren auf die Beeinträchtigung einer bestimmten Gruppe von weißen Blutkörperchen (B-Lymphozyten) bei den Muttertieren zurückzuführen sein. Einflüsse auf das Immunsystem wurden bei der Verfütterung gentechnisch veränderter Pflanzen immer wieder beobachtet, unter anderem bei Mäusen, Ratten, Schweinen und Fischen.

„Die aktuellen Ergebnisse werfen neue Fragen auf und zeigen, dass es große Lücken bei der Risikobewertung gentechnisch veränderter Pflanzen gibt. Obwohl mehrfach über Einflüsse auf das Immunsystem berichtet wurde, verlangt die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA keine entsprechenden Untersuchungen“, sagt Christoph Then von Testbiotech. „Auch Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit können nicht ausgeschlossen werden.“

Nach den vorliegenden Ergebnissen, die weitere Untersuchungen nach sich ziehen müssen, könnten Ziegen anders auf die Verfütterung gentechnisch veränderter Pflanzen reagieren als Kühe, wo beispielsweise ein Transfer von spezifischer Gentechnik-DNA in die Milch oder Einflüsse auf das Immunsystem nicht endgültig bestätigt sind. Das wirft auch Fragen auf bezüglich der Übertragbarkeit von Ergebnissen von Fütterungsversuchen mit Ratten oder Mäusen auf den Menschen. Studien über die tatsächlichen Auswirkungen des Verzehrs gentechnisch veränderter Pflanzen auf Menschen gibt es auch 20 Jahre nach Einführung der Agro-Gentechnik noch immer nicht.

Die Studie aus Italien hat zwar in manchen Details methodische Mängel. So wurden die Sojabohnen nicht auf Rückstände von Unkrautvernichtungsmitteln untersucht. Diese Mängel dürfen nach Ansicht nach Testbiotech jedoch nicht als Vorwand dienen, um die Ergebnisse der Untersuchungen zu verwerfen, da vergleichbare Studien bisher fehlen.

Kontakt:
Christoph Then, Tel: 015154638040, info@testbiotech.org.

Die Studie:
Tudisco, R., Calabrò, S., Cutrignelli, M.I., Moniello, G., Grossi, M., Mastellone, V., Lombardi, P., Pero, M., Infascelli, F. (2015) Genetically modified soybean in a goat diet: Influence on kid performance. Small Ruminant Research. http://dx.doi.org/10.1016/j.smallrumres.2015.01.023