Brasilien: Schädlinge werden resistent gegen Bt-Mais 1507

23. Juli 2014 Der gentechnisch veränderte Mais 1507 steht in der Europäischen Union kurz vor seiner Zulassung zum Anbau. Bei dieser Maislinie, die von den US-Konzernen Pioneer/DuPont und Dow entwickelt wurde, handelt es sich um einen sogenannten Bt-Mais, der ein insektengiftiges Eiweiß produziert. Darüber hinaus ist Mais 1507 tolerant gegenüber Pestiziden mit dem Wirkstoff Glufosinat.

Laut einer in der Fachzeitschrift Crop Protection veröffentlichten Studie wurde nun der Nachweis erbracht, dass Mais 1507 in Brasilien, einem der Hauptanbauländer für diese Maislinie, seine Wirkung gegen bestimmte Schädlinge schon wenige Jahre nach der Zulassung verliert. Farias et al. (2014) zeigen in ihrer Untersuchung, dass der in Brasilien bedeutendste Maisschädling Fall Armyworm (Heerwurm, Spodoptera frugiperda) seit dem Jahr 2012 in mindestens zwei Bundesstaaten (Bahia, Rio Grande del Sul) Resistenzen gegen das von Mais 1507 gebildete Bt-Toxin Cry1F entwickelt. Nach Angaben der Autoren hat die Resistenzentwicklung des Heerwurms, der vor allem in Nord- und Südamerika verbreitet ist, damit bereits im dritten Jahr nach der Markteinführung von Mais 1507 begonnen. Die Publikation entstand unter Beteiligung der Herstellerfirma Dow.

Die rasche Resistenzentwicklung bei Spodoptera frugiperda ist aus wissenschaftlicher Sicht wenig überraschend. Studien hatten bereits im Jahr 2008 gezeigt, dass der Schädling in Puerto Rico nach wenigen Anbaujahren weitgehend immun gegenüber Cry1F war. Die Industrie hatte Mais 1507 daraufhin in Puerto Rico vom Markt genommen.

Die Resistenzentwicklung bei Spodoptera frugiperda in Brasilien steht beispielhaft für einen Trend, der zeigt, dass knapp 20 Jahre nach der Kommerzialisierung von Bt-Pflanzen in vielen Anbauländern Probleme mit Schädlingen auftreten, die immun gegen die von den Pflanzen gebildeten Toxine werden (siehe Grafik „Bt-Pflanzen – Resistenzentwicklung bei Schadinsekten“, http://www.testbiotech.org/node/1078). Die Industrie versucht diese Entwicklung vor allem durch die Markteinführung sogenannter Stacked Events, die zum Beispiel mehrere Bt-Gifte bilden, in den Griff zu bekommen. Bisherige Höhepunkte dieses Trends sind Pflanzen wie der SmartStax-Mais des US-Unternehmens Monsanto, der sechs verschiedene Bt-Toxine produziert.

Für die EU-Zulassung zum Anbau von Mais 1507 hatte die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA schon im Jahr 2005 eine positive Stellungnahme abgegeben. Nachdem die EU-Kommission jahrelang weitgehend untätig geblieben war, hatte das US-Unternehmen Pioneer beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) erfolgreich gegen die Verzögerung der Zulassung geklagt.

Testbiotech hat in der Vergangenheit mehrfach einen Zulassungsstopp für Mais 1507 gefordert, da unter anderem grundlegende Daten für die Sicherheitsbewertung fehlen.