Die Großinquisitoren der Gentechnik-Industrie

Neue Runde in der Auseinandersetzung um die „NK603-Ratten-Studie“

München, 29.11.2013 Die Herausgeber des Magazins Food and Chemical Toxicology haben die französischen Wissenschaftler um Gilles-Eric Seralini aufgefordert, ihre Publikation zurückzuziehen, in der sie über Langzeitfolgen bei der Verabreichung von Herbiziden wie Roundup (Wirkstoff Glyphosat) und des Verzehrs von gentechnisch verändertem Mais NK603 berichten. Die Herausgeber sind der Ansicht, dass die Daten nicht ausreichend belastbar sind, um schwere gesundheitliche Auswirkungen auf Ratten zu beweisen, wie sie sich nach Ansicht der französischen Wissenschaftler bei den Untersuchungen gezeigt haben. Es handelt sich um eine ungewöhnliche Attacke auf eine wissenschaftliche Publikation. Normalerweise wird der Rückzug einer Publikation in Fällen von Täuschung oder Inkorrektheiten verlangt. Derartige Beschuldigungen werden in diesem Fall aber nicht erhoben. Nach Ansicht von Testbiotech erfolgt dieser Schritt nicht aus wissenschaftlichen Gründen, sondern ist vielmehr von wirtschaftlichen Interessen bestimmt.

„Die Forderung, die Veröffentlichung zurückzuziehen, zeigt deutlich, wie sehr die ganze Diskussion von ökonomischen Interessen gesteuert wird. Die Industrie behauptet immer wieder, dass ein Konsens über die Sicherheit von Produkten wie Gentechnikpflanzen bestehe. Da stören natürlich Publikationen, die neue Kontroversen über die Risiken der Produkte anstoßen“, sagt Christoph Then von Testbiotech. „Statt diese Publikation zu unterdrücken, sollten vielmehr neue Untersuchungen gefordert werden, um die Langzeitrisiken dieser Produkte zu prüfen.“

Es ist bisher nicht öffentlich bekannt, wer genau in diesem Fall für die Prüfung der Publikation zuständig war. Doch von mehreren Experten im Team der Herausgeber des Journals Food and Chemical Toxicology (FCT) ist bekannt, dass sie enge Verbindungen zur Industrie und zum International Life Sciences Institute (ILSI) haben, das von der Industrie finanziert wird. Der leitende Herausgeber der Zeitschrift, Wallace Hayes, hat nach Medienberichten früher für die Tabakindustrie gearbeitet. Andere Mitherausgeber des FCT haben direkte Verbindungen zur Gentechnikindustrie oder zur Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, die Produkte wie NK603 mehrfach als sicher bewertet hat. Zudem arbeiten etliche Experten für Dienstleister der Gentechnik- oder Pestizidindustrie:

  • Richard Goodman, früherer Mitarbeiter von Monsanto und ILSI-Experte,
  • Bryan Delaney, Mitarbeiter von Pioneer/Dupont,
  • Susan Barlow, frühere Expertin der EFSA und ILSI-Expertin, war ebenfalls für die Tabakindustrie tätig,
  • Ivonne Rietjens, Expertin bei EFSA und ILSI-Expertin,
  • David J. Brusick, Berater für Pharma- und Chemiekonzerne, davor Führungskraft bei Covance Laboratories, einem der Vertrags-Versuchslabore der Firma Monsanto,
  • William C. Hall, Hall Consulting, davor Charles River Laboratories, Monsanto hat dort u. a. Toxizitätstests für Glyphosat-Produkte durchführen lassen,
  • Palma Ann Marone, Product Safety Laboratories, Auftragslabor für Glyphosatstudien der Industrie,
  • Claire L. Kruger, Beraterin für Pharma- und Chemiekonzerne,
  • Dieter Schrenk, Experte der EFSA,

Kontakt: Christoph Then, Tel. 0151/54638040, info@testbiotech.org

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